Wie alles begann…
Zwischen 2008 bis 2014 haben wir unser Zinshaus in Ottakring als großes Bauherrenmodell mit einer Sockelsanierung samt aller notwendigen Verfahren geplant und saniert, aufgestockt und auf Neubaustandard gebracht. Das Wort „Dekarbonisierung“ existierte im Sprachgebrauch der Immobilienwirtschaft damals noch nicht. Was allerdings schon existierte waren Mängel am Bau, sodass die neu eingebaute Gaszentralheizung und/oder Warmwasserbereitung für 11 Wohnungen und 2 Geschäftslokale wiederkehrend und regelmäßig ausfiel. Auch Gasheizungen sind also nicht automatisch verlässlich! Der Installateur aus dem Vergabeverfahren der Wohnbauförderung zeigte wenig Engagement, seine Baumängel im Zuge der Gewährleistung zu beheben. Dafür bewies er umso mehr Energie, seine Schlussrechnung ohne Abzüge einzutreiben. So wurde es eine Trennung per Vergleich und uns zu bunt.
Der komplette Austausch der Gaszentrale nur 5 Jahre nach Errichtung stand an. Die langjährige Beschäftigung mit Nachhaltigkeit und Energie beim Bauen kam zur rechten Zeit aus meinem Architekten-Hinterkopf hervor, denn immerhin waren einige Voraussetzungen günstig und gegeben: In Hinblick auf eine spätere Fernwärmeanschlussmöglichkeit (die bis heute nicht vorhanden ist) hatten wir bereits alles „zentralisiert“. Das Haus war erprobterweise mit lauwarmen Radiatoren zu beheizen, aufgrund der besonders guten Energiewerte nach der Sanierung. Ein bestehender Heizraum, vertikale Schächte, ein kleiner Innenhof und ein ungenutztes Flachdach waren „kostenlos“ verfügbar. Meiner bescheidenen Meinung als Praktiker nach waren das ideale Voraussetzungen für eine Wärmepumpe als Energiequelle anstatt Gas samt Photovoltaik. Immerhin war ich auch damals schon seit Jahrzehnten in der Planungs-, Bau- und Immobilienbranche verantwortlich tätig. Freilich, meine Meinungen teilten zumindest jene Haustechnikplaner und Installateure nicht, die ich recherchierte und kontaktierte. Hersteller von Wärmepumpen bewarben zwar Ihr Produkt, nannten allerdings Kostenanhalte für den Heizungstausch jenseits von Gut und Böse. Von den Rahmenbedingungen bei einem Mehrparteien-Miethaus mit Lage mitten im dicht verbauten Wien wussten allesamt nicht viel.
Diese ersten Hürden im Laufe 2019 waren der Ansporn für mich, das Unmögliche möglich zu machen. Darauf folgten aber noch weitere und etliche Hürden, bis das Haus mit 1110m² NFL im Laufe 2020 mit einer 16-21 kW-Luftwärmepumpe und einer 13,5 kWp Photovoltaikanlage mit 21,3 kWh Stromspeicher „dekarbonisiert“ war. Bis zum letzten Akt des Einspeisevertrages der Wiener Netze dauerte die Dekarbonisierung am Papier noch bis 2021. Damals formulierte ich den folgenden Satz und halte ihn bis heute für gültig:
Um der Abhängigkeit von Öl und Gas mit einem Heizungstausch zu entkommen, müssen eine Vielzahl von Hindernissen überwunden werden: Praxisferne Beratungen, Mythen und Vorurteile gegen alternative Lösungen, Desinteresse von qualifizierten Stellen und Firmen, Überlastung und Fachkräftemangel bei den wenigen Fachbetrieben, fehlende Planungs- und Rechtssicherheit durch Gesetzgeber und Behörden und natürlich der bürokratische Förderdschungel. Eine realistische Einschätzung ist daher für jeden Eigentümer gefragt!
Demgegenüber funktionierte unsere neue Lösung durchaus und war letztendlich gar nicht so teuer. Je 5000€ pro Wohnung für den Heizungstausch damals ohne Förderung (!) sowie ebenso für die hundertprozentig verwertbare PV-Anlage mit nur wenig Förderung fielen an. Wie gesagt, die Basis idealer Voraussetzungen und Gegebenheiten beim sanierten Haus war und ist Teil dieser Lösung.
Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, Mythen und Tatsachen motivierte mich, mein Wissen und meine Erfahrungen als Sanierungsberater für Mehrparteienhäuser und mehrgeschossigen Wohnbau anzubieten.
Die folgenden Krisen und Kriege ab 2022 bestätigten schmerzlich die Notwendigkeit, unsere Abhängigkeit vom „schmutzigen“ Geschäft mit Öl und Gas zu beenden.
Aber das ist nicht der einzige Grund: Im Falle unseres Hauses war der Zwang zur Instandsetzung der Anlass für Raus aus Gas. Das förderte meine Überzeugung, dass „Raus aus Gas“ ein guter Anlass für Eigentümer sein sollte, sich über Instandsetzungs- und Verbesserungspotential, über Werterhalt und Zukunft der Immobilie Gedanken zu machen.
Seither helfe ich allen interessierten Eigentümern, praktikable Lösungen für ihr Haus zu suchen und einen gangbaren Sanierungspfad zu finden.